Bad Boy stole my Bra von Lauren Price – zu Recht ein Aufregerbuch?

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„Hast du dein Gesicht bei McDonalds gekauft? Denn…“, er hält kurz inne, um mir zuzuzwinkern, „ich liebe es.“

p. 47

Allgemeines [Werbung]

Jugendbuch – 350 Seiten – 12,00€
ISBN: 978-3-453-27177-7 Verlagsseite Heyne fliegt
Vielen Dank für dieses Rezensionsexemplar!

Worum geht’s?

Riley traut ihren Augen kaum, als plötzlich Alec, der neuer Nachbar, in ihrem Zimmer steht – und ihren Micky Maus BH klaut! Das schreit nach Rache, denkt sich Riley. Doch als sie Alec näher kennenlernt, merkt sie, dass hinter dem frechen Jungen mit den anzüglichen Sprüchen ein großes Herz steckt, das immense Bindungsängste hat…

Meine Meinung

Dieses Buch hat auf Twitter eine große Welle der Empörung ausgelöst, alles aufgrund des Slogans, den sich der Heyne Verlag ausgedacht hat. Die Promotion klang damals stark in Richtung „rape culture“ gehend und war – im Nachhinein – extrem unglücklich gewählt. Der Heyne Verlag hat daraufhin sehr souverän auf die Kritik reagiert.

Ich kann euch leider nicht sagen, ob das unten bereits der verbesserte Slogan ist, oder noch der alte. Sonderlich toll klingt er nicht *lach*.

 

Diese ganze Geschichte war der Grund dafür, dass einige andere Twitterlinge und ich den Buchclub „Drunk on bad books“ ins Leben gerufen haben, um dort Bücher zu lesen, von denen wir denken, dass sie grauenvoll werden – natürlich begleitet von einem schönen Glas Wein. Gesagt getan, und „Bad Boy stole my bra“ wurde unser erster Kandidat.

Tja, was soll ich sagen. Das Buch ist ein perfektes Beispiel dafür, wie irreführend Werbeslogans, Buchtitel und Buchcover doch sein können.

Der Plot

Die Geschichte verläuft…nun, ich würde sagen, sehr typisch für ein Jugendbuch. Ein Plus ist auf jeden Fall, dass der Fokus nicht nur auf der Beziehung zwischen Alec und Riley liegt, sondern auch andere Dinge in den Mittelpunkt gerückt werden (Freundschaft, Familie etc.)

Insgesamt muss man aber sagen, dass der Handlungsverlauf für mich keinerlei Überraschungen geboten hat. Man hat halt doch alles schon mal gelesen und weiß in etwa, was einen erwartet.

Das Setting/Die Stimmung

Das Setting war einer der Punkte, die mir mit am besten gefallen haben. Ich habe mich komplett mitgenommen gefühlt – und das, obwohl es nicht mal viele Beschreibungen gibt. Das Buch spielt in einem Städtchen am Meer, dementsprechend sind Strandausflüge an der Tagesordnung. Aber auch ansonsten hat hier atmosphärisch gesehen alles gestimmt. Man wünscht sich beim Lesen einen never ending summer. Den haben wir ja passenderweise auch gerade.

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Die Charaktere

Selbstverständlich wird hier mit vielen Klischees gespielt. Alec, der typische motorradfahrende Bad Boy, mit rabenschwarzen Haaren und tiefblauen Augen, eigentlich unnahbar, aber mit einem großen Herzen. Riley, das typische Good Girl, unscheinbar, aber ganz hübsch, mit einem kleinen Freundeskreis, und einem schlimmen Ereignis in ihrer Vergangenheit, seit dem nichts mehr so ist, wie zuvor.

Aber dennoch haben die Protagonisten etwas ganz Eigenes. Und, noch viel wichtiger: sie haben Witz. Alec hat beispielsweise die Angewohnheit, mit sehr zweideutigen Anmachsprüchen um sich zu werfen – und Riley ist schlagfertig genug, um diesen wenigstens ab und an zu kontern. Dabei haben mich die Wortgefechte und Dialoge der beiden nie wirklich genervt, sondern vielmehr sehr unterhalten können. Anders war das zum Beispiel bei „Verliebe dich nie in einen Rockstar“ von Teresa Sporrer, wo ich auf jeder Seite sicher viermal die Augen verdreht habe.

Auch die Nebencharaktere habe ich ziemlich schnell ins Herz geschlossen. Sie wirken authentisch und einfach…nett. Und – was zudem anzumerken ist: Die Familien von Riley und Alec sind wirklich toll. Wie oft haben die Jugendlichen in Büchern schlimme Eltern, die ihre Kinder nicht unterstützen, ihnen nichts gönnen, nicht für sie da sind. Die ihnen nichts ausreden wollen, sondern sie die Entscheidungen selbst treffen zu lassen. Denn solche Eltern gibt es. Und diese sind vermutlich auch in der großen Mehrheit.

„[…] Ich verspreche dir, morgen früh sieht die Welt schon wieder ganz anders aus.“ Sie küsst mich auf die Stirn und steht auf.
„Danke, Mom. Ich liebe dich.“
„Ich liebe dich auch – mehr, als du dir vorstellen kannst.“

p. 294

Das Einzige, was nicht ganz logisch wirkt, ist Rileys Charakter. Sie sagt von sich, dass sie Angststörungen hat, und tatsächlich hat sie auch einmal im ganzen Buch eine Panikattacke. Gut, ich kenne mich mit diesem Thema nicht sonderlich gut aus, da ich davon (zum Glück) nicht betroffen bin. Aber gleichzeitig ist Riley wirklich schlagfertig, frech und teilweise auch recht offen. Das passt einfach nicht zu 100% zusammen. Zumal die schlagfertige Seite viel besser zur Person und zur Geschichte passt. Vermutlich hat es die Angststörung nur gebraucht, um einen Teil des Romans daran aufzuhängen. Das ist etwas schade.

Die Beziehung zwischen Riley und Alec

Die vielzitierte „BH Sache“ ist tatsächlich nur der Aufhänger der Geschichte und mehr ein dämlicher Streich. Interessant ist, wie unsere Hauptprotagonistin Riley reagiert: sie lässt sich nämlich keineswegs einschüchtern, im Gegenteil. Sie sinnt auf Rache und zahlt es Alec auf ihre eigene Weise heim.
Die Beziehung zwischen den beiden entwickelt sich langsam und nachvollziehbar, Alec entwickelt sich für Riley von einem Ärgernis über einen Freund bis hin zum Schwarm. Die beiden gehen so süß und respektvoll miteinander um, dass einem das Herz aufgeht. Nichts zu spüren von einer toxischen Beziehung, wie es gerne bei „Bad-Boy-trifft-Good-Girl“ Romanzen der Fall ist.

„[…] Solltest du nicht längst in meinem Bett liegen?“
„Nein, weil deine Bettwäsche nicht zu meinen Klamotten passt“, kontere ich.
Er ist nicht der einzige Tumblr Fan hier, jawohl.
„Autsch!“ Unter vorgetäuschten Qualen fasst Alec sich an die Brust. „Volltreffer, das tut weh.“

p. 194

Der Schreibstil

Am meisten überrascht hat mich jedoch der Schreibstil. Klar, um den Stil der noch recht jungen Autorin (sie ist Jahrgang 1999) zu 100% zu erkennen, müsste man wohl die Wattpad Geschichte lesen, die die Grundlage für dieses Buch war (und nicht mehr online ist). Es ist gut möglich, dass das Lektorat eventuell etwas mitgeholfen hat.
Dennoch weist das Buch durchaus den typischen „Wattpadcharakter“ auf – umgangssprachlich, leicht, locker, fluffig. Und sehr amüsant. Viele der Dialoge treffen meinen Humor ziemlich gut – was durchaus gerne schwierig ist. Manch anderer mag genervt sein, aber in meinen Augen zieht das Buch genau in den Momenten, in denen es anstrengend oder übertrieben werden könnte, eine Grenze.
Letztendlich muss man sagen, dass man hier auf keinen Fall eine großartige literarische Sprachgewandtheit erwarten sollte. Wer aber nach netter Unterhaltung für heiße Sommertage sucht, findet hier womöglich einen schönen Zeitvertreib.

Fazit

Kurz gesagt: Das Buch ist anders, als erwartet. Meine Erwartungen waren extrem niedrig, aber ich wurde positiv überrascht. Hinter „Bad Boy stole my bra“ steckt eine unterhaltsame Geschichte, die sicherlich nicht ohne Schwächen daherkommt, jedoch sehr nette Charaktere und neben einem schönen Setting auch einen flüssigen Schreibstil aufweist.

Wer Lust auf ein etwas klischeehaftes Jugendbuch mit Witz hat, ist hier nicht unbedingt falsch!

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16 Gedanken zu “Bad Boy stole my Bra von Lauren Price – zu Recht ein Aufregerbuch?

  1. Ich selbst bin schon seit einigen Jahren auf Wattpad und mindestens 80% der Bücher enthalten diese berüchtigte Balkonszene 🙂 Ich habe mir das Buch jetzt auch geholt um zu sehen, ob es wirklich grauenhaft ist. Nur schon die Anfangsszene auf dem Balkon mit den 4 hübschesten Typen ihrer Schule hat mich zum Augenrollen gebracht. Aber mal schauen, ich lese weiter und nehme es mit Humor. Toller Beitrag Lg Ney

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  2. Liebe Emily,

    Jetzt bin ich ja fast versucht das Buch auch zu lesen 😀 Ich finde man sollte ein Buch sowieso nie bewerten bevor man es nicht kennt!

    Liebste Grüße
    Jenny

    Gefällt 1 Person

    • Da hast du auf jeden Fall recht, liebe Jenny! Und wenn man nicht allzu hohe Erwartungen hat, wird man oft überrascht 🙂 viel besser, als enttäuscht zu werden!

      Liebe Grüße,
      Emily xx

      Gefällt mir

  3. Hi Emily (:

    toll, dass du dich dem Buch noch einmal angenommen hast. Blödes Marketing ist in desem Fall wirklich schlechter als gar keins.
    Ich bin zwar auch in der Skype-Gruppe aber mir wurde das zu negativ. Ich spreche lieber über die guten Bücher. Deswegen kann man trotzdem mal mal eine schlechte Rezension schrieben kann (=

    Liebe Grüße

    Laura

    Gefällt 1 Person

  4. Hey 🙂
    Finde eure Idee des Buchclubs „Drunk on bad books“ einfach mega witzig hahaha 😀

    Und ich hab die Diskussion natürlich auch mitbekommen, aber nur am Rande. Umso mehr finde ich es nun interessant deine Rezension zu lesen – scheinbar ist es ja doch nicht so schlimm wie erwartet. Ob ich es lesen werde kann ich nicht so ganz sagen.. ist eigentlich nicht ganz mein Genre… mal schauen.

    Alles Liebe,
    Sinah

    Gefällt 1 Person

    • Hey Sinah!

      Ja, es ist ziemlich cool! Nur getrunken haben wir noch nicht wirklich 😀

      Ach, wenn es nicht so dein Genre ist, würde ich eher nicht dazu greifen. Es ist schon ziemlich klischeehaft, aber eben leichte Unterhaltung für Zwischendurch. Mir hat es Spaß gemacht, aber ich denke, das Buch ist nicht für jeden was 🤔

      Viele liebe Grüße,
      Emily

      Gefällt mir

    • Gerne, gerne. Manchmal sollte man sich vielleicht doch etwas mehr informieren, bevor man am lautesten schreit…
      liebe Grüße und einen schönen Sonntag,
      Emily xx

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